Klappentext

Schwule emanzipatorische Projekte zielen nicht auf Gelderwerb - doch ohne Geld wären viele von ihnen von vornherein zum Scheitern verurteilt. Für lesbische Initiativen gilt dies nicht minder. Das Überfalltelefon in einer Großstadt, die Rosa Strippe irgendwo in der Provinz, das Buch über Magnus Hirschfelds Berliner Institut - all das Wäre nicht möglich, wenn neben dem ehrenamtlichenEngagement vieler Engagierter nicht auch Stellen da wären, die das finanzielle Risiko abfedern oder gar durch eine Anschubfinanzierung die materielle Basis schaffen.

"Charity begins at home, sagt man im angelsächsischen Raum, und unsere amerikanischen Brüpder und Schwestern vollbringen wahre Wunderdinge im Aufbringen privater Spenden für schwule Interessen. Sie verhalten sich da nicht anders als etwa Sportvereine, Anonyme Alkoholiker, Museumsliebhaber oder religiöse Vereinigungen. Die Vielfalt eigen- und uneigennützigen Mäzenatentums steht dort ein ebenso großer Mangel an öffentlicher Förderung gegenüber.

Bei uns scheint die Situation eher umgekehrt zu sein. Zwar hat neben den großen jüdischen Mäzenen die Bereitschaft, Teile des privaten Vermögens wissenschaftlichen, kulturellen oder wohltätigen Zwecken zu widmen, im bürgerlichen Bereich durchaus Tradition.

Unter Schwulen hingegen gilt es hierzulande eher als unfein, sich auf derart schnöde materielle Belange inzulassen. Natürlich gibt es Ausnahmen, und gerade die Aids-Hilfen sind Beispiele schwuler Solidarität. Dennoch hat die schwule Opferbereitschaft ihre Grenzen. Nicht wenigen fällt die Spende für die "Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" leichter als die Zuwendung für die schwule Jugendgruppe im Sauerland - warum eigentlich?

Hingegen hat die öffentliche Unterstützung gesellschaftlicher Gruppen in unserem Lande eine lange Tradition. Die großen Kirchen, an Steuereinnahmen und Spenden nicht unbedingt arm, nutzen öffentliche Zuwendungen für die Verfolgung ihrer Zwecke in einem oft ungeahnten Ausmaß. Zum Glück ist es spätestens seit den ersten rot-grünen Koalitionen gelungen, öffentliche Geldhähne, wenngleich nach wie vor in bescheidenem Umfang, auch in die Kanäle alternativer Selbsthilfeprojekte zu leiten.

Die Initiatoren alternativer Vorhaben verfügen oft nicht über die Professsionalität gewiefter "fund raiser". Deshalb ist es wichtig zu lernen, wo "etwas zu holen" ist, und wie man dies anstellt. Ratgeber für die Inanspruchnahme öffentlicher Förderung gibt es wie Sand am Meer. Freilich: in schwul-lesbischen Zusammenhängen hat so etwas bislang gefehlt. Diese Lücke will die vorliegende Broschüre schließen. Sie wendet sich an Schwule, doch auch für lesbische Initiativen lassen sich manche Hinweise sicher gewinnbringend nutzen.

Dieser Leitfaden zur Inanspruchnahme öffentlicher Gelder ist selbst ohne öffentliche Zuschüsse zustandegekommen. Öffentliche Förderung ist für die Realisierung schwuler und lesbischer Einrichtungen weiterhin unverzichtbar. Schwule Identität kann auf Dauer aber nur gedeihen, wenn die öffentliche Förderung emanzipatorischer Projekte mehr und mehr durch private Initiative ergänzt wird. Auch dazu will diese Veröffentlichung beitragen.